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Praxisnahe neue Empfehlungen zur Schaumsklerosierung von der 2. Europäischen Konsensuskonferenz

Rostock 2006 (ots) - Europäische Spezialisten diskutierten unter Vorsitz von Dr. med. Franz Xaver Breu, Rottach-Egern, und Dr. med. Michel Schadek, Paris, einen Vortrag von Dott.S.Guggenbichler über Chancen und mögliche Risiken der Ultraschall-assistierten Schaumsklerotherapie. Die neuen praxisnahen Empfehlungen wurden auf dem diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie (DGP) in Rostock vorgestellt.

Seit der Veröffentlichung der ersten europäischen Behandlungsempfehlungen zur Schaumsklerosierung von 2003 ist das Wissen um diese effektive Methode der Krampfader-Behandlung deutlich angewachsen. Aus diesem Grund kamen unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Breu, Rottach-Egern, Dr. Guggenbichler, München, und Dr. Wollmann, Wiesbaden, im April 2006 erneut 27 Experten zum 2. Europäischen Konsensusmeeting am Tegernsee zusammen, um neue Therapietrends zu diskutieren und aktualisierte Stellungnahmen sowie ergänzende Empfehlungen zu formulieren. Das Gremium sieht die Schaumsklerosierung als mittlerweile etablierte Methode an, die das Management der Krampfaderbehandlung eindeutig verbessert. Diese Ansicht wird untermauert durch die große Zahl an Patienten, die von den Experten bislang behandelt wurden. Insgesamt wurden mehr als 168.000 Venenkranke therapiert, darunter über 40.000 mit Stammveneninsuffizienz und 17.000 mit Rezidiv-Varizen nach vorangegangenen Venenoperationen.

Dr.Univ.Parma Guggenbichler fasste die wichtigsten neuen Empfehlungen zusammen: Neben besonders geeigneten Indikationen zur Schaumsklerosierung wurden auch methodische Fragen wie Zugangs- bzw. Punktionsmöglichkeiten festgehalten. Prinzipiell könne zwar jedes Gefäß mit Schaum behandelt werden, er eigne sich aber besonders für mittlere und große Gefäße und bei Rezidiven nach venenchirurgischen Eingriffen. Für Besenreiser gelte Schaum nicht als Mittel der ersten Wahl, sondern nach wie vor die klassische Sklerosierungsflüssigkeit.

Bei kräftigeren Gefäßen sollten generell möglichst standardisierte, visköse Schäume eingesetzt werden. Je nach Gefäßkaliber wurden Empfehlungen zu den maximal zu verabreichenden Schaumvolumina pro Punktion festgelegt; so etwa für die Punktion der GSV maximal 6mL, für die Vena saphena parva 4mL, für Seitenäste nicht mehr als 6mL und insgesamt pro Sitzung nicht mehr als 10mL.

Die Schauminjektion sollte wenn möglich mittels Ultraschall kontrolliert werden. Bei oberflächlich nicht sichtbaren Krampfadern ist die Ultraschalldarstellung mittlerweile sogar als zwingend erforderlich anzusehen. Zur weiteren Verbesserung der Patientensicherheit wird - neben der Einhaltung der Schaumvolumen-Obergrenzen - auch von einer sofortigen Kompression über den behandelten Gefäßabschnitten abgeraten.

Die weiteren Konsens-Punkte, u.a. zu Kontraindikationen und den empfohlenen Schaumkonzentrationen, werden zurzeit von den wissenschaftlichen Leitern der Konferenz für eine Publikation vorbereitet und dürften in Kürze allgemein zugänglich sein.

 

Die ultraschall-assistierte Schaumsklerotherapie von Krampfadern

 

Alternative Therapieoption bei Varizen oder nur Schaumschlägerei?

S. Guggenbichler, FX. Breu

 

Die Sklerotherapie („Verödung“) von Varizen ist eine effektive und bewährte Behandlungsmethode, die derzeit durch die Verwendung von aufgeschäumten Sklerosierungsmitteln weltweit einen wahren Boom erlebt.

 

Das hat gute Gründe:

 

  • R. Fischer, der die Langzeitergebnisse (34 Jahre) nach Krossektomie und Stripping untersuchte, musste feststellen, dass bei 64% der operierten Patienten ein Krampfader-Rezidiv aufgetreten war: Das Dogma der chirurgischen Behandlung von Krampfadern geriet erstmals ins Wanken.
  • Die Micro-Sklerotherapie, für die Therapie von Besenreisern und retikulären Krampfadern bis heute die einzige wirklich effektive Methode, hat mit dem Einzug der hochauflösenden Duplex-Ultraschallgeräte eine enorme technische und methodische Verbesserung erfahren, da die Behandlung erstmals gezielt steuerbar ist und in Echtzeit überwacht werden kann.
  • Die Schaumsklerosierung, deren Grundlagen bereits in den 40er Jahren entwickelt wurden, ist in Kombination mit Ultraschall geradezu ideal geeignet, selbst kaliberstarke Gefäße wie Stamm- und Seitenastvarizen und Rezidive nach Krampfaderoperationen zu beseitigen. Prospektive und randomisierte Studien wurden und werden auf der ganzen Welt durchgeführt und haben die Effizienz dieser Behandlungsmethode bei Varizen bewiesen.

Der große Vorteil der Schaumsklerosierung liegt in seiner verstärkten Wirkung:

 

Durch die bessere Verdrängung des Blutes aus dem zu behandelnden Varizensegment wird eine bessere Verklebungsreaktion erreicht, da der Kontakt zwischen Krampfader-Endothel und Schaum intensiver stattfindet.

 

Die Anzahl der erforderlichen Sitzungen ist daher gering: Patienten werden teilweise mit nur einer einzigen Sitzung in etwa 20 Minuten komplett behandelt.

 

Ein weiterer Vorteil ist die Darstellbarkeit des Sklerosierungs-schaums im Ultraschall: von der prä-therapeutischen Kartographie der Beinvenen über die gezielte Injektion bis hin zur gesteuerten Verteilung des Schaums in den Gefäßen können die komplette Behandlung und ihre Wirkung kontrolliert und dokumentiert werden.

Wir haben vor Jahren diese Technik von Cavezzi und Frullini in Bologna kennen gelernt. Seitdem führen auch wir in unseren Zentren diese Therapieform durch. Insbesondere wurden Krampfader-Patienten mit Rezidiven therapiert, da sie einer erneuten Operation oft ablehnend gegenüberstehen.

 

  •  2001 fand unter der Leitung von F.- X. Breu, S. Guggenbichler und M. Marshall das 1. Symposium am Tegernsee statt, bei dem Spezialisten aus Italien, Frankreich und Deutschland ihre Erfahrungen über die ultraschall-assisitierte Schaumsklerotherapie austauschten.
  • 2003 organisierten wir das 2. Internationale Sklerotherapie-Symposium, bei dem die ersten Richtlinien zur Schaumsklerotherapie gemeinsam mit Experten aus ganz Europa erarbeitet wurden.
  • Mittlerweile haben die Richtlinien Eingang in die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie gefunden, wurden auf internationalen Kongressen vorgestellt und jüngst in der Zeitschrift Dermatologic Surgery publiziert.
  • Im Januar 2004 wurde am Tegernsee der erste deutschsprachige Intensiv-Workshop zum praktischen Erlernen der ultraschall-assistierten Schaum-sklerotherapie veranstaltet, bei der wir unsere Erfahrungen an Kolleginnen und Kollegen aus ganz Deutschland weitergeben konnten.

In der aktuellen kontroversen Diskussion zwischen Vertretern der klassischen Operation mit Krossektomie und Stripping und den Verfechtern der neuen Therapiemethoden nimmt die Schaumsklerosierung eine exponierte Stellung ein: Zweifellos stellt sie eine zukunftsweisende Alternative in der Behandlung des therapierbaren – aber letztlich unheilbaren - Krampfaderleidens dar.

 

Die einzigartige Möglichkeit, Patienten ambulant, schnell, sicher, ohne Narkoserisiko und kostengünstig zu behandeln, macht die Schaumsklerotherapie gegenüber minimal-invasiven Methoden wie Laser und Radiofrequenz besonders attraktiv.

 

Wir haben es bei dieser Therapie mit weit mehr als nur akademischer Schaumschlägerei zu tun!

 

Professor Bergan, der „Grand Senieur“ der amerikanischen Gefäßchirurgen, zog im November 2003 auf dem 6. Internationalen Sklerotherapiekongress in Bologna seine persönliche Bilanz: „Der Schaum ist die Zukunft der Varizentherapie.

 

„Der Schaum ist die Zukunft der Varizentherapie.“ 

 

Professor John J. Bergan, MD, FACS; Professor of Surgery, University of California, San Diego; Clinical Professor of Surgery, Uniformed University of the Health Sciences, Bethesda, Maryland

 

 

weiter Infos bei: Praxis beim Viktualienmarkt,Dr.Univ.Parma Stephan Guggenbichler,Frauenstr.17,80469 München,info@beinsprechstunde.de

 

 

11. Bonner Venentage

Moderne Methoden der Sklerosierung

VASA Febr.2008